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Amigos - Jan Heitmann und George Danzer

Üben, üben, üben

Von Jan Heitmann, 24.03.2008, 6458 Aufrufe, 206 Kommentare | Kommentar hinzufügen

Hallo alle zusammen.

Übung macht den Meister. Hab ich mal irgendwo gehört.

Poker ist kein Glücksspiel, das wissen wir alle. Hoffe ich zumindest. Wenn es aber kein Glücksspiel ist, dann ist offensichtlich Können dabei. Und wenn Können dabei ist, dann ist es sehr unwahrscheinlich, dass man zu einem sehr guten Pokerspieler wird, wenn man nix tut. Was muss man also tun, um gut zu werden?

Als erstes sollte man sich so viel Wissen wie möglich aneignen. Ich persönlich bevorzuge Bücher. Vor zehn Jaren, als ich angefangen habe zu spielen, gab es schon ein paar gute Bücher. Die meisten davon waren von David Sklansky und Konsorten, Mike Caro und Doyle natürlich. Inzwischen gibt es so viele Bücher zum Thema Poker, dass ich ein größeres Regal brauche.
Hat man das Basiswissen, dann hilft nur noch: üben. Man nehme sich ein paar Stunden Ruhe, suche sich einen Tisch mit möglichst spendierfreudigen Gegnern und los geht’s.

Um wirklich besser zu werden (und das möglichst schnell) sollte man die eigene Spielweise wie auch die der Gegner analysieren. Theorie dazu hat man ja schon in den Büchern gelesen. Gut ist es, wenn man Fehler erkennt. Und zwar in beide Richtungen. Erkennt man Fehler seiner Gegner, dann merkt man, dass man in einem profitablen Spiel sitzt. Erkennt man Fehler bei sich, dann entwickelt man sich weiter. Beides ist wichtig. Die meisten Pokerspieler konzentrieren sich jedoch auf die "Fehler" ihrer Gegner. Oft, wenn sie durch einen solchen "Fehler" einen großen Pot verloren haben. Und oft regt man sich auf. Ich kenn das. Ich mache das auch. Immer noch zu oft. Es ist natürlich sinnvoller, zu hinterfragen, WARUM der Gegner so gespielt hat. Manchmal ist es gar kein Fehler, sondern vielleicht ein guter Read oder eine gute Analyse. Oder man selbst hätte die Hand besser spielen können, weil man ja WEISS, dass der Gegner diese Fehler oft macht.

Die Analyse von Pokerhänden ist sehr schwierig. Der Mensch lernt normalerweise aus Erfahrung. Beim Tennis schlage ich einen Ball und der Ball geht ins Aus. Jetzt stelle ich mich anders zum Ball, verändere die Schlägerhaltung und schlage den gleichen Ball noch einmal. Geht er jetzt ins Feld, dann habe ich etwas besser gemacht. Beim Poker ist es anders. Das Ergebnis einer Hand sagt nichts über die Entscheidungen in dieser Hand aus. Einfaches Beispiel: man geht mit AA all-in preflop und verliert.
Manchmal ist es aber noch komplizierter und man wird nie genau sagen können, ob man richtig entschieden hat. Denn man hat nicht alle Informationen. Oft genug hängt die Entscheidung von Schätzungen ab. Der Gegner spielt 1/3 Pot auf dem River. Ich kann nur einen Bluff schlagen. Jetzt muss ich entscheiden, wie oft mein Gegner hier blufft. Bei über 20% Bluffwahrscheinlichkeit muss ich callen, denn ich bekomme 4:1. Bei unter 20% muss ich wegwerfen. Wenn ich jetzt calle und der Gegner zeigt die Nuts, dann weiß ich immer noch nicht, ob ich mit meiner Einschätzung richtig lag. Das werde ich wohl auch nie genau wissen. Eine Schätzung eben. Je besser solche Schätzungen werden, desto besser wird man als Spieler. Und die Entscheidungen werden besser, wenn man übt.

Wichtig: Aus jeder Situation kann man lernen, wenn man sich auf das Wesentliche konzentriert. Der Gewinn der Hand ist NICHT das Wesentliche. Obwohl es natürlich immer so scheint. Das Wesentliche ist, ob man irgendeine neue Information oder Erkenntnis erlangt. Wenn nicht, hat man entweder alles richtig gemacht, oder alles falsch.

Eine wunderschönes Konzept zur direkten Beurteilung von Pokerhänden und der eigenen Spielweise stammt von Tommy Angelo. Er nennt es "Reciprocality", also "Erwiderung". Man stellt sich vor, dass die Situation in einer gespielten Hand genau vertauscht würde. Der Gegner hätte jetzt meine Hand, ich hätte seine. Wenn das Ergebnis der so gespielten Hand dem tatsächlichen entspricht (nur umgekehrt), dann hätten beide genau gleich gespielt und eigentlich hat keiner die Hand gewonnen. Unterscheidet sich das "theoretische" Ergebnis aber, dann hat einer der beiden Spieler "gewonnen". Weil er entweder mehr Geld gewonnen hätte, oder weniger verloren. Mehr dazu mal in einem anderen Blogeintrag. Versprochen.

Jetzt zurück zum Üben. Üben kann auch eine Art sein, mit Tilt umzugehen. Tilt entsteht bei mir immer, wenn ich mich über eine Sequenz von Händen oder Tagen ärgere. Natürlich nur, wenn ich verliere. Jetzt habe ich mir aber fest vorgenommen, jedes Mal, wenn ich einen Bad Beat bekomme direkt an den nächsten zu denken und zu üben. Jeder Bad Beat ist eine Übung für den nächsen. Jede verlorene Session ist eine Übung für das nächste Mal, wo ich eine Session im Minus beende. Jeder tagelange Bad Run ist die Übung für den nächsten tagelangen Run. Und jedes Mal, dass ich einen Monat nicht gewinne ist eine Übung für den nächsten Verlust-Monat. Ich werde immer besser. Das nächste Mal kann kommen, ich weiß schon, wie es geht.

 

Gerade bin ich bei George in Passau. Wir setzen uns die ganze Woche in seiner Wohnung mit wunderschönem Blick auf den Dom zusammen und bereiten uns auf San Remo und Monte Carlo vor. MTT-Strategie, Handanalysen, Meta-Game Pläne, Pushbot Charts und

Üben, Üben, Üben.

LG, Jan.

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