Meine Position zur Position
Von Jan Heitmann,
13.03.2008,
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Hallo alle zusammen,
dieser Blog ist für George und mich auch ein Medium, unsere wirren Gedanken unters Volk zu bringen. Aber ab und zu sollte schon auch noch der ein oder andere pokerstrategische Tipp drin vorkommen. Heute ist wieder ein solcher Tag. Ich gebe nicht nur einen Tipp, sondern gleich drei!
Position, Position, Position.
Man liest es immer wieder, man hört andere Spieler drüber reden, und irgendwie weiss man es ja schon längst. Position ist wichtig. Beim Poker und sonst auch.
Aber wie wichtig ist Position? Nun, ich lehne mich mal ein bisschen aus dem Fenster (gefährliche Position, ich weiss, aber man muss auch mal was riskieren): Position ist der wichtigste Faktor in den meisten Poker Varianten. Punkt. Der WICHTIGSTE!
Nanu? Wichtiger, als die Karten? Na klar. Die Karten sind in sich (fast) völlig unwichtig. Ihr Wert wird durch andere Faktoren bestimmt. Stack Size, Struktur, etc. Und der wichtigste Faktor ist – der aufmerksame Leser wird es sich schon denken – Position.
Eigentlich ist alles, was man über Position wissen muss, in einem Satz gesagt. Der Spieler, der zuletzt agieren darf, hat einen Vorteil.
Jetzt ist aber noch Platz auf der Seite, also werden wir das Positions-Konzept ein bisschen genauer unter die Lupe nehmen. Positioniert euch gemütlich vor euren Monitor, schnappt euch eure Fantasie und eure Auffassungsgabe und los geht’s.
Schauen wir uns mal ein Pokerspiel an. Oder besser noch: schauen wir uns alle Pokerspiele an, die in diesem Moment stattfinden. Online, live, überall. Dürften eine Menge Hände sein, die gerade jetzt, in diesem Moment gespielt werden. Und alle haben etwas gemeinsam: ein Spieler ist zuerst dran, und ein anderer Spieler ist als Letzter dran. Immer.
Ich denke, es wird keinen guten Spieler auf der Welt geben, der nicht lieber als letzter agiert. Irgendein schlauer Spieler (Mike Caro? Doyle?) hat mal gesagt: wenn ein Amateur gegen einen Weltklassespieler spielt und immer Position hat, dann ist das ein ziemlich ausgeglichenes Match.
Der Positionsvorteil kommt aber nicht davon, dass man als Letzter agiert. Zumindest nicht nur. Der Positionsvorteil kommt davon, dass man ÖFTER als Letzter agiert. Öfter, als der/die Gegner.
Im Poker können wir uns aussuchen, wann wir unsere Chips in die Schlacht schicken. Und aus welcher Position. Keiner zwingt uns, eine Hand außer Position zu spielen. Nun ja, außer unsere eigene Ungeduld. Aber das schöne ist: wenn es mal wieder juckt, wenn wir endlich mal wieder mitspielen möchten, dann brauchen wir nur einige wenige Spiele zu warten und haben schon wieder die beste Position. Die Hand ist jetzt gar nicht so wichtig. Ich behaupte einfach mal, dass es wesentlich profitabler, einfacher, kurz: besser ist, eine schlechte oder sehr schlechte Hand IN POSITION zu spielen, als eine marginale oder sogar mittelgute Hand AUSSER POSITION.
Bei den meisten Poker-Varianten ist die Position für eine gegebene Hand fix. Beim Holdem sitzt man die ganze Hand lang in einer festen Position relativ zum Button. Daher gibt es auch eine definitiv beste Position, ebenso wie eine definitv schlechteste Position. Die beste Position ist der Button. Die schlechteste Position ist die Small Blind.
Macht es einen Unterschied, dass man in den Blinds schon ein bisschen Geld gesetzt hat, und somit einen Discount bekommt, um den Flop zu sehen? In meinen Augen nicht. Der Discount ist oft sehr verlockend, aber wird durch den großen Nachteil in den "teuren" Wettrunden mehr als aufgewogen. Fallt nicht darauf rein. Werft einfach weg. (Disclaimer: Blind Defense ist in den härteren Spielen sicherlich sehr, sehr wichtig. Und Weltklassespieler müssen besonders gut ausser Position spielen, da ihre Gegner natürlich immer in Position angreifen. Aber besonders in den Low Limit bis Middle Limit Games ist der Vorteil, den man durch die gute Position hat, genug, um seinen Profit zu erhöhen, selbst wenn man in den ersten Positionen staubtrocken und tight spielt. Ebenso in Full Ring Games.)
Die Big Blind ist schon ein bisschen besser dran. Immerhin könnten alle zur SB folden und – Zack – dann hat die BB die beste Position. Die SB kommt nie in den Genuß. Die schlechtesten Positionen hätten wir also. Kommen wir nun zu den "lustigeren" Positionen.
Die beste Position ist der Button. Die zweitbeste ist der Cutoff. Die drittbeste der Highjack. Und alle anderen sind schlecht, wenn ihr mich fragt. Dementsprechend sollte man aktiv vermeiden, in frühen Positionen Hände zu spielen. In Early Position suche ich nach einem Grund zu folden. Irgendeinen Grund. Wenn mir einer ein- oder auffällt, dann folde ich. Gerne. Denn je schneller ich folde, desto schneller geht die Hand vorbei und wir nähern uns "meinen" späten Positionen. Also den Positionen, in denen ich gerne viele Hände spiele. Vor allem in der Small Blind folde ich gerne. Quasi als Vorbereitung für meinen Button, die Poleposition unter den Positionen. Hier (und im Cutoff und Highjack) SUCHE ich nach Gründen zu spielen. Meist ist irgendein Grund gut genug. Suited? Ok. Schwacher Spieler vor mir im Pot, die besseren sind schon raus oder out of position? Let’s dance. Ich sitze im Cutoff und ein Blick nach links zeigt mir, dass der Button schon folden will? Hehe. Raise. Deep Stacked? Jede Hand vom Button ist spielbar. Jeder Grund ist ein guter Grund. Man muss sich nur in Position bringen. Zum Glück regelt das der Dealer automatisch.
Um es mal mit den Worten von Sänger Barry McGuire in "Eve of Destruction" zu sagen: "When the button is pushed, there’s no running away…"
Bis bald am Tisch. Ich hoffe, ich sitze hinten.
LG, Jan.









