Zugzwang
Von GeorgeDanzer,
09.01.2008,
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Da habe ich ja mit der Hand im letzten Blog eine interessante Diskussion ausgelöst. Es gab Stimmen für fold und push. Es ist knapp, aber der Reihe nach.
Zuerst noch einmal die Hand, falls ihr sie schon wieder vergessen habt.
Ich sitze auf dem Button und habe J8. Keine besonders gute Hand. Es sind noch vier Spieler aus einem 9er STT übrig, das heißt wir befinden uns auf der Bubble. Der nächste Spieler, der ausscheiden sollte bekommt nichts, der dritte schon 20% vom Preis. Erster und zweiter 50% respektive 30%. Bei diesem 60$ Turbo also 247,5$, 148,5 und 99$ für die ersten drei.
Die Situation in der ich mich befinde lässt sich mit einem Zugzwang im Schach vergleichen.
Ich würde gerne warten, um den anderen eine Chance zu geben sich gegenseitig auszuknocken, aber mit meinem Stack wird mir diesen Gefallen keiner tun, sondern darauf warten, dass ich all in gehe.
Das andere Problem ist, dass ich nur noch knapp 5 BB habe und in der übernächsten Hand wieder in der BB sitze. Es bleibt also wirklich keine Zeit.
Aber muss ich deswegen gleich mit einem so schlechten Blatt all in gehen?
In solchen Situationen hilft natürlich erst einmal wieder eine ICM Kalkulation. Diese betrachtet nicht nur den Zugewinn oder Verlust an Chips, den man mit einem Push erreicht, sondern gibt diesen Chips auch ein Wert in Dollar. Sollte ich nämlich in dieser Hand ausscheiden hätte ich davon 0, aber meine 910 Chips sind an sich noch 54$ Wert, also mathematisch gesehen. Praktisch erst einmal noch nichts, aber ich könnte das Turnier mit ein bischen Glück ja sogar noch gewinnen.
Ich benutze für solche Zwecke den Sit and Go Analyzer.
Um ausrechnen zu können wie Profitabel der Push jetzt ist, muss ich den Gegnern eine Range von Händen zuweisen, mit denen sie noch callen. Die Spieler haben eine gute Vorstellung von diesen Situationen, dass heißt sie werden wissen, dass der Druck auf mir lastet und ich hier nicht nur mit guten Händen all in gehe.
Der SB muss noch ein bischen vorsichtiger als der BB sein, da ein Spieler hinter ihm sitzt, aber ich gehe davon aus, dass beide Spieler mit knapp 30% ihrer Hände gegen mich callen. Das sind so alle Asse, alle Paare und KQ-K8. Dazu die höheren suited connectors.
Das gebe ich ein und komme natürlich auf eine $EV von 0%. Hehe. Es ist also, angenommen meine Einschätzung der Gegner ist ungefähr ok, nicht klar zu entscheiden ob man hier all in gehen sollte oder nicht.
Im Forum kommen deswegen manche auf einen Fold und manche auf einen Push. Es ist immer noch knapp.
Dass heißt wir müssen andere Faktoren in die Überlegung mit einbeziehen.
Und da gibt es zwei Komponenten die entscheidend sind. Die eine ist, dass der ICM-Rechner nicht diesen Zugzwang, also das herunterblinden, sollten wir nichts machen, mit einberechnet. Sollte sich die Situation nicht ändern, wäre das kein Problem, aber die Blinds rücken nun mal nach jeder Hand eine Postition weiter.
Und die zweite Komponente ist die Stack size in der Big Blind. Sollten wir noch eine Hand warten, sitzt der dicke in der Big Blind. Das bedeutet erstens, dass er öfter callt und zweitens, dass die Situation dann bei weitem nicht so gut ist.
Was ich damit meine ist, dass wir mit einem gewonnenen all in gegen den Shortstack, sehr gut dastehen. Dieser wäre dann extrem short und wir sehr wahrscheinlich im Geld.
Sollte er aber folden, wären wir schon in Reichweite seiner Chips und setzen ihn damit zusätzlich unter Druck, was wiederum die Chancen erhöht selber ins Geld zu kommen.
Diese beiden Dinge geben damit klar den Ausschlag zum all in.
Als Anmerkung noch zu der Nash Equilibrium Betrachtung dieser Hand. Futter für Freaks wie mich. Diese Berechnung gibt den Spielern keine Ranges aus dem Bauch heraus, sondern nimmt an, dass alle Spieler mathematisch perfekt spielen. Ich selber kannte dieses Programm noch nicht und freue mich, dass ich auch von diesen Diskussionen auch profitieren kann, denn bisher habe ich dieses Gleichgewicht immer selber ausrechnen müssen. Hier der Link zum Ergebnis.
Ihr seht, ich sollte die Top 32.1% der Hände pushen. Da wären dann T9 und J9 noch dabei, J8 aber nicht, also genau die Grenze. Und die anderen Komponenten sind hier wieder nicht dabei. Also auch hier als Ergebnis ein Push.
Was noch zu erkennen ist, dass der UTG Spieler, also der Bigstack, hundert Prozent seiner Hände pushen hätte müssen, da wir natürlich ein Bubblen befürchten müssen und somit die 300 Chips von den Blinds fast immer geschenkt sind.
Zurück an die Arbeit, George.









