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Amigos - Jan Heitmann und George Danzer

Sympathische Schwingungen, von Tommy Angelo

Von Jan Heitmann, 11.10.2007, 2827 Aufrufe, 49 Kommentare | Kommentar hinzufügen

Hallo alle zusammen,

Viel erlebt. Aber wenig in Verbindung mit Poker. Daher nur schnell einen weiteren Artikel von Tommy Angelo:

Sympathetic Vibrations

Sympathische Schwingungen

Die Opernsängerin klopft sanft an den Rand ihres Glases. Das Glas klingt hell und klar. Die Sängerin stoppt und füllt ihre Lungen mit Luft. Das Glas wartet. Die Sängerin singt leise eine bestimmte Note. Das Glas singt im Einklang mit. Die Stimme der Sängerin wird lauter. Das Glas schwingt und wackelt. Die Sängerin erreicht die höchste Lautstärke. Das Glas, von vornherein kein Fan der Oper, hält es nicht mehr aus und zerspringt.

Die Klassische Physik erklärt dieses Phänomen als sympathische Schwingungen. Gleichmäßig geformte Objekte haben eine eingebaute, natürliche Frequenz. Der innewohnende Ton lässt sich leicht zum Klingen bringen, wenn das Objekt dazu gebaut wurde, wie bei einer Gitarren-Saite oder einer Trommelbespannung. Sympathische Schwingungen können katastrophale Auswirkungen haben, wie zum Beispiel bei einer Hängebrücke, die durch starken Wind zum Schwingen und schließlich zum Zerbrechen gebracht wird. Oder sie können uns amüsieren, zum Beispiel wenn ein Glas singt. Es ist eine interessante Verwendung des Wortes „sympathisch“. Ich bin immer ein bisschen traurig über das Glas.

Menschen haben auch natürliche Schwingungen, emotionale, die mitschwingen, wenn sie von Emotionen in anderen Menschen angestoßen werden. Erzählt mir jemand eine tragische Geschichte aus dem Leben, schwinge ich oft mit. Diese Schwingungen könnte man wirklich als sympathisch oder empathisch bezeichnen. Aber genau wie das Glas, habe ich auch eine Reizschwelle. Egal, wie sehr ich es versuche, ich kann keine Poker Bad-Beat-Geschichte ertragen. Keine Schwingung. Diese emotionale Kühle kommt von einem bestimmten Erlebnis in einem Pokerspiel in Las Vegas im Jahr 1989.

Ich war ein Vollzeit Low Limit Profi in den Spielen im Casino. Ein paar Mal im Jahr kratzte ich ein paar Tausend zusammen und machte mich auf nach Las Vegas, zu einer weiteren harten Lektion. Ich bin fast immer völlig untergegangen, aber ich kam trotzdem mit erhobenem Kopf zurück. Ich hatte die große Hoffnung, dass es diese Lektionen wert sein würden – irgendwann.

Es war während der World Series im Horseshoe Casino. Meine Bankroll für die Reise betrug $2000. Nach 2 Tagen im $10-$20 Spiel ging ich ein Limit hoch, auf $20-$40, mit $3000. Noch ein Tag und ich war bei $4000. Nach zwei weiteren Tagen war ich auf $5000, einem neuen Vegas Rekord.

Die höheren limit Spiele waren hinten im Turnier Raum. Ich sah ein $50-$100 Spiel, mit einem offenen Platz. Ich packte das glorreiche Bündel Hunderter in meiner Tasche. Alles in mir drin schrie mir zu davonzulaufen. Aber meine Beine waren ja außen – und nahmen Platz.

Ich kaufte mich für $4000 ein, 8 Stacks. Dies war meine Zeit. Meine letzte Nacht in der Stadt. Noch einen Tag als Gewinner und ich konnte 8 Tausender mit nach Hause nehmen, vielleicht sogar mehr, auf jeden Fall genug, um einige Zeit meine Ruhe zu haben, genug um endgültig die Schäfchen ins Trockene zu bringen. Ich war völlig überfordert, volle Fahrt voraus auf den Eisberg zu, aber der Meinung, ich könnte die Jungs ausspielen, oder zumindest Glück haben.

Vier Stunden später hatte ich noch $400. Ich war geschlagen – in jeder Hinsicht. Es blieb nur noch die Frage offen, wer mir endgültig den Rest geben würde. Alle wussten es.

Und da passierte es. Der Asiat neben mir verlor drei harte Pots in einer Runde. Erst hatte er As-König und floppte ein As. Dann Buben, mit denen er ein Set floppte. Und dann Pocket Asse, mit denen er gegen einen 2 Outer verlor. Alle drei Blätter ertranken auf dem River.

Ich hatte bei weitem nicht so viel Pech gehabt. Ich war auf dem Weg Pleite zu gehen, weil ich schwach und schwächlich spielte, verängstigt durch die hohen Einsätze. Nichts desto trotz war ich derjenige, der jammerte und heulte, nicht er. Ich machte es nur so, wie wir es daheim machten. Er verlor mit Stil.

Nachdem seine Asse verloren, beobachtete ich ihn genau. Keinen Muckser. Nicht einmal eine Geste der Unzufriedenheit, geschweige denn Ärger. Er sah aus wie ein Mann an einem Lagerfeuer. Gelassen und zufrieden. In diesem Moment wusste ich, was mal werden wollte, wenn ich groß würde. Ich wollte so sein wie er. Ohne Angst und Ärger.

Nach 10 Jahren Training wurde sein Weg zu dem meinen. Er ist nicht unmittelbar besser oder profitabler als einfach den unausweichlichen Frust über unser Spiel offen zu zeigen. Aber er reflektiert mein undurchdringbares Desinteresse gegenüber Bad Beat Geschichten.

So wie ein Schuldner Geld verleihen muss, so muss ein Jammerer auch zuhören. Ein Ei-Huhn-Ei Szenario eröffnet sich uns. In aller Fairness sollte ich keine Bad Beats erzählen dürfen, wenn ich nicht selbst gewillt bin, zuzuhören. Andersherum muss ich auch nicht zuhören, wenn ich selber keine erzähle. Egal, welches zuerst da war.

Mit den Erzählern von wirklich harten Geschichten verbindet mich immer noch eine sympathische Schwingung. Aber wenn die Sprache auf Bad Beat Geschichten kommt, dann bin ich wie ein in ein Handtuch gewickeltes Kristall-Glas. Wie laut der Song auch sein mag, er lässt mich nicht erzittern.

© 2000 Tommy Angelo, übersetzt von Jan Heitmann

LG, Jan.

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