Tommy Angelo und Parallelen zwischen Poker und Parken
Von Jan Heitmann,
23.08.2007,
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Hi alle zusammen,
Poker ist wie Parken. An manchen Tagen trifft man jede noch so kleine Parklücke beim ersten Mal, an anderen setzt man viermal zurück, nur um dann doch halb auf dem Bordstein zu stehen.
Vor ein paar Jahren habe ich ein Poker-Coaching von Tommy Angelo bekommen. Keine Strategie Tips, keine Mathematik, keine Starting Hand Charts. Sondern Tips, wie man mit Poker Geld verdient und mit Poker klar kommt. Money well spent. So langsam fange ich an zu verstehen, was er meinte.
Fast nebenher ist er noch Musiker, komponierte eine Platte mit Songs über Poker, bei denen er alle Instrumente selber spielt und schreibt scharfsinnige Artikel über das Leben. Hier eine Übersetzung eines seiner Artikel. Die Originale und mehr über Tommy gibt es bei tommyangelo.com.
(Anm. d. R.: Die Übersetzung stammt von mir. Kritik ist willkommen, ich habe mir aber viel Mühe gegeben, den "O-Ton" irgendwie mitschwingen zu lassen. Die Originale sind Welten besser.)
Parallelen zwischen Poker und Parken
Keiner kommt besser im Auto durch San Francisco als mein Freund Alex. Er zögert nicht. Wenn da eine Lücke ist, schießt er rein. Wenn es einen Rückstau gibt, Spurwechsel. Und bei der Parkplatzsuche ist er der selbsternannte König. Er spielt hart aber smart, so wie er Poker spielt. Er schätzt Risiken und Vorteile jeder Aktion ein, isoliert Variablen und nähert ihre Werte an, um zur besten Entscheidung zu kommen.
Ungefähr so kann man sich einen Kino-Besuch mit Alex in San Francisco vorstellen:
Du steigst zu ihm ins Auto und fährst zwei Häuserblöcke, um eine Zeitung zu kaufen und das Kinoprogramm zu lesen. Alex hält abrupt vor einer Feuerwehrzufahrt, zwei Meter vor einem Kiosk und ist in 30 Sekunden wieder zurück. Mit einer Zeitung. Ihr überfliegt das Kinoprogramm und einigt euch auf einen Film. Dummerweise fängt der in 15 Minuten an und das Kino ist 20 Minuten weit weg. Aber das ist gar nicht das Problem. Da ist noch das Parken.
Im Durchschnitt braucht man 20 Minuten um einen Parkplatz zu finden, der im Durchschnitt noch mal 10 Minuten vom Kino entfernt ist. Eine halbe Stunde. Viel zu lang. Oder man könnte $10 Dollar bezahlen, für ein Parkhaus, von dem man 10 Minuten braucht, um zu parken und zum Kino zu rennen. Für $5 pro Kopf käme man auf 20 Minuten. Ist aber immer noch hoffnungslos. Unmöglich, pünktlich ins Kino zu kommen. Es wäre ein guter Fold.
Also schlägst du Alex vor, in eine spätere Vorstellung zu gehen. Zu spät, denn du bist in seinem Auto und es bewegt sich bereits. Alex schaltet runter, um in die Oak Street zu donnern, einer 4spurigen Einbahnstrasse, voll mit Autos. Er beschleunigt beim Abbiegen nach Rechts durch die Gelbphase in eine Lücke im Verkehr, die knapp 45 cm länger ist als das Auto. Jemand hupt. Alex gestikuliert. Du schnallst dich an.
Neun Minuten später kommt rechts das erwähnte Parkhaus. Du weißt, es ist höchst unwahrscheinlich, dass ihr einen besseren Parkplatz bekommt. Du schlägst vor, den Parkschein zu teilen, $5 pro Nase, und können wir jetzt einfach nur noch aus dem Auto raus, bitte, bitte!?
Alex ignoriert dich, während er einen Nervenkampf mit der Straßenbahn gewinnt. Dann macht er einen schwindelerregenden U-Turn über die 5spurige Van Ness. Er haut den Rückwärstgang rein und setzt gegen den Feierabendverkehr über 10 Autolängen zurück und schwingt sich in eine Lücke mitten im strengsten Parkverbot. 8 Meter bis zum Kinohaupteingang. Ihr habt noch Zeit um Popkorn zu kaufen und seht sogar noch ein paar Vorschauen.
Du fragst: „Alex, hast du keine Angst vor einem Knöllchen?“
An der Stelle wird es verwirrend und doch wunderschön. Alex sagt „Hier kostet es nur $5 Dollar. Du gibst mir jetzt die $5, die du fürs Parkhaus ausgeben wolltest und du bist quitt.“ Er grinst.
Verwirrt und gefügig gibst du ihm einen $5 Dollar Schein. Am Popkornstand vorbei, in den Kinosaal, auf den Platz, der Film fängt an und alle Park-Gedanken sind vergessen.
Nach dem Film geht ihr raus. Alex schaut sofort zum Auto. „Cool, kein Knöllchen.“
Du: „Was ist jetzt mit meinen $5, behältst du die jetzt?“
Alex: „Klar. Wenn ich ein Knöllchen bekommen hätte, hätte ich es ja komplett bezahlt. Verstehst du?“
Alex erklärt „Hier kostet ein Knöllchen $25. Die Chance, eins zu bekommen, wenn man hier ca. anderthalb Stunden parkt ist 1 zu 5. Also kostet parken hier $5, im Durchschnitt, und es war nah genug um entspannt ins Kino zu gehen.“
Du öffnest die Autotür und denkst „Entspannt?“
Alex fährt fort „Selbst wenn ich ein Knöllchen bekommen hätte, hätte ich theoretisch gratis geparkt, denn du hast ja die $5 bezahlt. Ich hatte eine Freeroll auf einen 10:1 zu 5:1 overlay UND habe noch Zeit gespart!“ Seine Stimme wird lauter, als das Auto in den Verkehr schießt „Ich bin der König des Einparkens in San Francisco!“
Nächstes Mal am Pokertisch solltest du daran denken, dass alle Entscheidungen und Wetten im Poker so ähnlich sind, wie die Parkplatzsuche mit Alex in der City. Seine Parkplatzrechnungen enthalten Variablen. Für jedes Ereignis haben einige der Variablen feste Werte, andere nicht. Die Kosten für ein Knöllchen waren absolut. Die gesamte Parkzeit war absolut. Die eingesparte Zeit war absolut. Aber die Chance ein Knöllchen zu bekommen, das war die wichtige Variable in der Parkplatzgleichung und wer kann schon genau sagen, wie hoch diese Chance ist? Nur jemand mit Erfahrung und Kompetenz im Parkplatzspiel.
Sagen wir mal wir sind auf dem river in einem Limit Holdem Spiel. Du hast nix, dein Gegner checkt zu dir und du musst überlegen ob es sich lohnt, zu bluffen. Die Höhe des Pots ist absolut. Der Betrag des Bluffs ist absolut. Die Wahrscheinlichkeit, das dein Gegner wegwirft – das ist das Geheimnis für die Parkplatzsuche.
Frag Alex, ich glaub er weiss es.
© 2002 Tommy Angelo, übersetzt von Jan Heitmann









