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Amigos - Jan Heitmann und George Danzer

Pot Size Control in No Limit Holdem Cash Games

Von Jan Heitmann, 14.05.2007, 2112 Aufrufe, 27 Kommentare | Kommentar hinzufügen

Hallo alle zusammen,

ja, ich lebe noch. Es ist nur so viel in letzter Zeit passiert, dass ich nix zum Bloggen gefunden habe. Die Qual der Wahl.

Dafür gibt es heute auch ein bisschen No Limit Holdem Strategie.

Cash Games und Turniere unterscheiden sich maßgeblich. Einer der größten und wichtigsten Unterschiede ist die Stack Größe. Während man in den meisten Turniersituationen (außer den ersten Leveln) nur Stacks zwischen 20 und 4 Großen Blinds hat, hat man im Cash Game manchmal mehrere Hundert BBs. Dies hat einen erheblichen Einfluß auf die Strategie.

Nehmen wir folgendes Beispiel. Man hat AA in der Big Blind, sechs Spieler am Tisch, ein Spieler in früher Position (UTG+1) macht einen Standard Raise auf 3 Big Blinds.
Zunächst eine typische Turniersituation, man hat 16 BBs in seinem Stack, der Gegner hat mehr. Jetzt gibt es eigentlich nur zwei sinnvolle Möglichkeiten. Entweder man raised all-in (ein leichtes Overraise) oder man raised auf 9 BBs, und schiebt den Rest auf dem Flop rein, egal was kommt.

Im Cash Game mit 250 BBs (1000er Stacks bei 2-4 NLHE) ist die Hand ein wenig komplexer.
Wenn man jetzt einen Reraise auf 12 BBs macht, dann called ein guter Spieler den Raise IMMER. Er hat Position und kann unsere Hand recht gut einschätzen. Vielleicht reraised er nochmal, aber dann ist immer noch ein großer Teil vom Stack übrig. Vor dem Flop all-in wird also schwer. Und wenn der Gegner nur called, dann haben wir jetzt eine ziemlich durchsichtige Hand ausser Position mit 26 BBs im Pot und noch 238 BBs zu setzen. Viel Spass. Die Gefahr, ausgespielt zu werden, ist gegen einen starken Gegner sehr groß.
Also, was tun?

Neulich habe ich bei 2-4 NLHE an einem 6-Leute-max Tisch diese Situation gehabt.
Aber dazu später. Erst möchte ich noch das grundlegende Konzept einführen. Pot Size Control. (Die Cleveren konnten das Thema schon an der Überschrift erahnen…)
Jeder gute No-Limit (oder auch Pot-Limit) Spieler versucht, die Größe des Pots selbst zu bestimmen, abhängig von der Situation. Zu jedem Zeitpunkt in der Hand geistert dieses Konzept im Kopf rum: “Will ich mit dieser Hand in dieser Situation gegen diesen Spieler einen großen Pot spielen? Oder einen kleinen Pot?”

(Auf das Methagame bezogen muss man eigentlich überlegen, ob man gegen die mögliche Range des Gegners in denselben Situationen und abhängigen Situation mit einem kleinen Pot oder einem großen Pot seine EV maximiert. Aber bleiben wir mal auf der ersten Ebene.)

Logisch erscheint: mit starken Händen gerne Riesen-Pots. Drillingen, Nuts, etc,

Einer der wichtigsten Faktoren ist der Gegner. Wie spielt er? Auf welchem Level denkt er?
Gegen schwierige Gegner, die gerne Fallen stellen, spielt man devensiver und kann nicht so dünn “for value” setzen. Gegen Gegner, die mit Top Paar 200 BBs reinstellen, sollte man selbst Top Paar Top Kicker Hände viel aggressiver spielen.

Der andere wichtige Faktor ist die effektive Stack-Größe. Der effektive Stack wird immer durch den kleineren Stack der beiden Kontrahenten bestimmt. Wenn man nach dem Flop noch einmal Pot hat, dann geht mit Top Paar immer alles rein. Was aber, wenn man noch 10x den Pot hat? Nun, im Grunde muss man herausfinden, wieviel der Gegner bereit ist, mit einer schwächeren Hand noch zu verlieren. Und dann sucht man eine Line, die sowohl dieses offensive Ziel erreichen als auch defensiv genug gegen stärkere Hände benutzt werden kann.

Zurück zu unserem Beispiel.
Die Situation: 6-handed No Limit Holdem, Blinds 2-4, ein Gegner in früher Position erhöht auf 14, alle folden, man selber hat AdAh in der Big Blind. Jetzt die wichtigen Infos: Die effektiven Stacks sind 1000, also 250 Bbs. Der Gegner ist uns relativ unbekannt, aber er spielt gut.

Vor dem Flop:
Natürlich werde ich mit den Assen oft reraisen. Aber lieber, wenn ein signifikanter Teil der effektiven Stacks vor dem Flop gesetzt werden kann. Mit 100 BBs oder weniger würde ich fast immer reraisen. In dieser Situation würde das aber die Art meiner Hand verraten und ich spiele den Rest der Hand außer Position mit tiefen Stacks. Unangenehm.

Aktion: Call. Jetzt sind 30 im Pot (2×14 plus tote SB).

Der Flop: Qh, 7c 3c

Überlegung: Ein guter Flop für meine Asse. Aber auch gefährlich. Drilling wäre schon ziemlich bitter, aber Flush Draw könnte sein (AKc, etc). Gegen beide möchte ich spätestens auf dem Turn wissen, ob ich vielleicht weit hinten bin (oder sogar drawing dead). Also möchte ich den Pot eher klein halten, bis zum Turn.
Gleichzeitig gibt es natürlich eine Menge Hände, die ich noch schlage. Von denen möchte ich Geld gewinnen und gleichzeitig den Draws nicht die richtigen Odds geben.

Die Aktion:
Ich setze 20 in den 30er Pot.
Der Gegner bezahlt sofort. 70 im Pot.

Die Überlegung: Jetzt kann er noch eine ganze Range von Händen haben. Jede Dame (AQ-QT), jeden Flush Draw, Drilling, sogar ein Bauchschuß wäre denkbar (65, 64, 54).

Der Turn:
9d
Im Prinzip eine wunderschöne Blank.

Die Aktion: Ich setze 42 in den 70er Pot. Zwei Gründe. Etwas mehr als halber Pot, nimmt dem Flush Draw die Odds, wird von einer schlechteren Hand auf jeden Fall noch bezahlt, aber jetzt muss eine stärkere Hand sich langsam mal zu erkennen geben. Und für die Info möchte ich auch nicht zuviel bezahlen.
Gegner macht ein Minraise. Mmmh. Unerwartet.
196 im Pot.
Ich bezahle das minr, 238 im Pot.

Überlegung:
Der minraise definiert seine Hand ganz gut. Ein Flush draw (oder ein anderer Draw) macht jetzt viel weniger Sinn, da er nur seine Odds verschlechtert UND mir nochmal die Möglichkeit zu einem großen Raise eröffnet. Wäre eine Katastrophe für den Draw, der so ja mittelmäßig schlechte Odds bekommt.
Also bleiben noch alle Damen (gegen die ich ja noch vorne bin) und alle Drillinge, gegen die ich nur 2 outs habe (werd sie wohl nicht runterbluffen können).

Der River:
2c
Bringt den Flush, ansonsten keine Veränderung.

Die Aktion:
Ich setze 84 in den 238 Pot. Also etwa ein Drittel Pot.

Überlegung: Hat der Gegner wirklich nur noch die o.g. Range, dann wird er callen. Alle schwächeren Hände sind neugierig und stark genug für einen Call dieser Größe. Alle Drillinge callen mindestens, aber werden sich mit einem Raise schwertun, da der Flush gekommen ist, den ich nach meinen bisherigen Aktionen durchaus haben kann.
Gleichzeitig bestimme ich die Größe der Wette. Wenn ich checke, kann es gut sein, dass der Gegner zwei Paar oder einen Drilling noch einmal anspielt. Und da sucht er sich die Wettgröße aus, wahrscheinlich mehr als 1/3 Pot.
Dieses Anspiel sucht also das Optimum, um möglichst viel aus schlechteren Händen rauszuholen und möglichst wenig gegen bessere Hände zu verlieren.

Aber bei allen Überlegungen spielt die Pot Size Control eine große Rolle. In dieser Situation will ich nicht in eine schwierige Entscheidung um meinen ganzen Stack gedrängt werden. Also kontrolliere ich den Pot.

So. Ein bisschen lang geraten, aber ein wichtiges Konzept. Anmerkungen sind erwünscht, zum Konzept selbst, Beispiele anderer Hände, Fragen, etc, aber auch Kritik an der Line in der Beispielhand. Ich freue mich.

Und jetzt konzentriere ich mich voll auf das Sunday Warm Up bei Stars.

LG, Jan.

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